La Gomera gehört mit etwa 12 Millionen Jahren zu den älteren der
Kanarischen Inseln. Der vulkanische Ursprung ist noch sehr gut sichtbar.
La Gomera gehört zur spanischen Provinz Santa Cruz de Tenerife in der seit 1982 bestehenden Spanischen Autonomen Gemeinschaft Kanarische Inseln, und damit seit 1986 zur EU. Die Hauptstadt der Insel ist San Sebastián de la Gomera, die Landessprache ist Spanisch. La Gomera besitzt einen eigenen Inselrat, den cabildo insular, und ist in die sechs Gemeinden Agulo, Alajeró, Hermigua, San Sebastián de la Gomera, Valle Gran Rey und Vallehermoso gegliedert. La Gomera hat nur
20.000 Einwohner. Etwa die Hälfte wohnt entweder in der Hauptstadt San Sebastian
oder im Tal Valle Gran Ray, wo es die meisten Touristen und Aussteiger hinzieht.
Der Nationalpark Garajonay
liegt inmitten der kleinen Kanarischen Insel La Gomera. Mit einer Größe von 3.984 Hektar bedeckt der 1978 gegründete Nationalpark 10 Prozent dieser Insel. Sein einmaliges Ökosystem steht seit 1986 als Weltnaturerbe unter dem Schutz der UNESCO.
Die Wälder im Park sind ein Relikt der während des Tertiär auch im Mittelmeerraum häufigen warmtemperierten Lorbeerwälder. Inmitten der Insel gedeiht der größte noch zusammenhängende Lorbeerwald der Erde. Das Herzstück des Nationalparks besteht aus immergrünem Nebelwald mit bis zu zwei Meter hohen Farnen, von den Bäumen hängenden langen Bartflechten, moosbewachsenen knorrigen Ästen und Bächen mit Wasserfällen.
Höchste Erhebung der Insel ist der gleichnamige Garajonay mit 1.487 Metern Höhe.
Historisch gesehen spielte La Gomera vor allem bei der Entdeckung
Amerikas eine wichtige Rolle, weswegen sie auch die kolumbinische Insel
genannt wird. In der Hauptstadt San Sebastián machte Kolumbus Halt,
bevor er zu seiner Expedition aufbrach und sie wurde zu einem
traditionellen Anlaufpunkt auf dem Weg in die neue Welt. Aus dieser Ära
sind heute noch der Grafenturm und sowie das Haus des Kolumbus und das
Haus des Zolls erhalten. Neben der Hauptstadt sind auch malerische Orte
wie Agulo, Hermigua oder Chipude einen Besuch unbedingt wert.
Auch aus der Zeit vor der spanischen Herrschaft sind auf La Gomera noch
Zeichen zu sehen. Noch immer gibt es die Höhlenwohnungen, in denen die
ursprüngliche Töpferei der Ureinwohner betrieben wird.
Ein anderes Überbleibsel aus prähispanischen Zeiten ist der Gebrauch
der Silbo. Dabei handelt es sich um eine aus Pfeiftönen bestehende
Sprache. Zwischen den Tälern und Schluchten dient diese Art der
Kommunikation, die durch Tonhöhen- und Längen artikuliert wird, den
Gomeros zur Übermittlung von Nachrichten. Diese Art der Gomeros, sich
über Entfernungen hinweg zu verständigen ist auf der Welt einzigartig.
Die schöne Prinzessin Gara lebte noch vor der spanischen Eroberung im 15. Jahrhundert auf La Gomera. Sie verliebte sich in den armen Bauernsohn Jonay aus Teneriffa. Dieser fuhr aus Liebe täglich auf einem Floß zur Nachbarinsel, um seine Geliebte zu treffen. Doch die Verbindung stand unter keinem guten Stern: Ein Priester sagte den beiden großes Unheil voraus. Als sich beide das Jawort zur Eheschließung geben wollten, schien sich die Prophezeiung zu erfüllen. Ein starkes Erdbeben erschütterte Teneriffa. Der Teide spie Lava, das Meer um La Gomera färbte sich blutrot und die Insel begann zu glühen. Die Adelsfamilie der Prinzessin versuchte daraufhin, die Heirat der beiden zu verhindern und brachte Jonay gewaltsam nach Teneriffa zurück. Seine Liebe jedoch war so groß, dass er wenige Wochen später erneut auf La Gomera landete. Gemeinsam floh das Paar ins Hochland und versteckte sich in den dichten Wäldern hoch oben auf der Insel. Als beide keinen Ausweg für ihre Liebe mehr sahen, nahmen sie eine an beiden Enden gespitzte Lanze aus Lorbeerholz und stießen sie sich durch die Brust. In inniger Umarmung ging das Liebespaar in den Tod. Dies ist nur eine Version von einigen verschiedenen dieser Legende. Aber seit jener Zeit, so sagen die Gomeros, trägt der höchste Berg und der heutige Nationalpark auf La Gomera den Namen Garajonay. Es gibt Prinzessin Gara und den armen Jonay auch als Steinskulpturen im Nationalpark.